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Montag, 17. August 2009

夏!

Ich habe mir wohl etwas Zeit gelassen, ein Update!

Das Semester ist vorbei, das Leben geht weiter! Oder fängt an, wie man's sehen will. Hier mein vorerst letzter voller Tag an der Uni beim Abschluß des Japanisch-Unterrichts; ich finde ja, daß Weiße in japanischen Klamotten etwas lächerlich aussehn, aber wenn's alle machen..! Und ich dazu von meiner Lieblingslehrerin diesen schönen Fächer bekommen habe...

Dann gibt's da natürlich noch das typische japanische Sommerprogramm (hilft auch nicht gegen die Hitze, macht aber zumindest Spaß!):

Zum einen sehr viele Matsuri, hier tanzen die Leute das nach, was auf dem Podest vorgemacht wird, ich hab mich natürlich auch dran versucht, es ist aber gänzlich unmöglich. Immerhin gab's Bier, wie immer :-D

Schwer zu erkennen: die Musikanten.

Teil zwei des Programms sind Feuerwerke, ich bin mit diesem hier am Strand von Odaiba eingestiegen (im Panorama der Rainbow Bridge), wie geschätzte fünf Milliarden andere auch, die dann in ihren Yukata mit Snacks bewaffnet auf ihren fünf bis zehn Stunden vorher reservierten Plastikplanen sitzen und durchweg staunen oder klatschen. Nein, davor stauen sie sich noch durch den halben Bahnhof vor der Überfahrt über die Brücke, nur hatte ich genug Glück, die Station durch eine andere Türe zu betreten, und dann in Anbetracht der Situation genug Chuzpe, mit der allzeit bewährten Ohrhörer-rein-und-durch-Taktik die völlig unbenutzte Rolltreppe aufs Gleis zu nehmen.


Dritter Teil des Sommerprogramms sind diese niedlichen Tiere, die üblicherweise leider nicht auf der Straße, sondern in den Bäumen um mein Wohnheim herum leben, und von ebendenselben herab täglich von Sonnenaufgang (gegen halb fünf) bis zum Abend brüllen - allerdings überkommt mich trotz allem Haß auf solch plumpe Balzversuche im entscheidenden Moment dann doch wieder jedes mal Mitleid, wenn sie vereinzelt hilflos und behäbig über den Asphalt siechen...

Um der Stadt zu entkommen ein kleiner Ausflug in die nahegelegenen Berge; hier bei den Vorbereitungen zu Nagashi-Somen - Nudeln, die erst gekocht, dann dieses von Quellwasser durchflossene Bambusrohr hinunter geschickt werden, und die man währenddessen versucht, mit den Eßstäbchen zu angeln. Für Hilflose gibt's aber auch noch die Möglichkeit, die geflohenen einfach aus dem Sieb raus zu essen.

So idyllisch ging's sonst noch zu, und wer genau hinschaut, sieht in der Mitte Handtuch, T-Shirt und Badehose hängen, die gerade trocknen, nachdem ich, wie könnte es anders sein, ins kühle Naß gefallen war.
Es gab dann auch noch ein paar relativ starke Erdbeben, besorgte eMails und die beiden Erkenntnisse, daß diese, solange nichts passiert, wirklich Spaß machen und ich mich nicht mehr wunder, warum ich in Deutschland nie eines mitbekommen habe, da ich offensichtlich tiefer Schlafe als ein 6,5-Beben rüttelt. Manchmal zumindest.

Zu guter Letzt ein Mittwoch abend nach dem Training mit Inokoshi-Sensei und zwei verlorenen und wieder zurückgekehrten Söhnen.

Dienstag, 21. Juli 2009

七大戦・能

Der Absurdität eines Besuchs im Nō-Theater wurde ich mir erst so richtig bewußt, als ich mich mit ebendemselben als Ausrede schon viel zu früh vom Karateturnier der Sieben-Uni-Spiele verabschiedet habe, da scheinbar sogar ein Gang zum Gehirndoktor (heißt auch nō, schreibt man aber 脳 statt 能) naheliegender war. Gewonnen hat die Karten ein Freund, das Turnier sowohl Jungs- als auch Mädelsteam der Tōdai. Die Standardausrede à la Ja aber die andern müssen halt einfach nicht so viel lernen wie wir fiel also aus. Das Theater läßt sich wohl am besten mit ... interessant beschreiben, inklusive aller Konnotationen. Es ist dabei so traditionell, daß es quasi schon wieder moderner als modernes Theater ist, ebenfalls in all seinen Nuancen. Die Handlung ließ sich scheinbar in acht völlig unverständlichen englischen Sätzen zusammenfassen, nichtsdestotrotz war es schließlich ein zweienhalbstündiges, Martyrium wäre etwas hart gefaßt, nennen wir es einmal Ereignis, in dem sich völlig mimikfreie Männer schlorpenderweise über das Parkett bewegen, teils in etwa einen halben Meter zu langen Hosensäcken, oder aber in schicken weißen Zweizehensocken, dabei einen gemächlichen, eher monotonen Singsang von sich gebend. Ein Teil der Akteure war auch nur dazu da, den Hauptdarstellern nach dem Erheben aus Seiza das Beinkleid wieder ordentlich hinzuzupfen. Ein interessant lohnenswertes, wenn auch einmaliges, im Sinne von ein mal, Erlebnis, wenn ich mich das nächste Mal in die Niederungen japanischer Tradition begebe, wird es garantiert Sumō, noch vor Kabuki, und es bleibt festzustellen, daß sich Japan seit seinen alten Tagen ganz gut entwickelt hat. In diesem Sinne.


Sieger beim Mitfiebern

die Bühne des Nō-Theaters

ebenfalls im Theater

Montag, 8. Juni 2009

祭り?

Heute geht es um zwei Großereignisse, und am Rande um eines, das bald stattfinden wird:
Unifest, Oktoberfest und ein Baseball-Turnier.

Nachdem ich mich wochenlang gewundert hatte, was denn dieser Baucontainer in der Mitte meines Campus den lieben langen Tag so macht, hatte ich erfahren, daß auch die Todai ein großes Unifest hat. Verwundert? nein. Zwei Tage lang ein Campus, der vollgestopft mit Menschen, Essens-, Süßigkeiten- und Bierständen, mit denen so ziemlich alle Klubs vertreten waren, dazu noch viele davon mit Aufführungen, oder Ausstellungen, war. Fotoausstellung, Legobauen, Orchester, Tanz, Death Metal, Trommler, die HipHop-Tanzgruppe, billiges Yakiniku, billiges Bier, weiß behandschuhte Studenten, die einem beim bloßen Annähern an die Müllcontainer den Unrat des korrekten Sortierens willen aus den Händen reißen, kurzum alles was das Studentenherz begehrt und noch mehr. Einziges Manko: als wir uns abends, vom Essen kommend, den Abgestürzten, in den Nischen liegend tapfer Weitertrinkenden anschließen wollen, war keiner mehr da, alle Stände abgebaut! Also doch, war ich wieder zu naiv: es ist und bleibt einfach die Todai..!

Die Bilder (東大五月祭 - Todai-Maifest):

...langsam verstehe ich, warum zwei aus meinem Lab dort tanzen, und es war nicht, weil ihr Stand das billigste Bier hatte...






noch etwas bessere Musik, wobei es hier leider nicht das erhoffte Suhlen auf matschig-schlammiger Wiese gab


Oktoberfest im Mai statt im September?! Warum nicht...
Um direkt die kleineren Nachteile vorwegzunehmen: München und Stuttgart sind ein Schnäppchen dagegen! Auf der Plus-Seite: eine wesenlich höhere Japanerdichte, und ich denke die meisten, die diesem lustige Völkchen schonmal auf einem Volksfest begegnet sind, wissen schon, was ich meine. Also: Fähnchen raus und Oans, zwoa, drei, gsuffa! (ja, wie bei Crêpes wird Hochkultur eben nur fast exakt kopiert, wir sind ja schließlich nicht in China...)

Das macht doch schonmal Laune..!

Im Bierzelt dann das folgende Bild, und da sage noch einer wir Deutschen hätten ein schlechtes Image in der Welt :-p






Leider sah's auf dem Tisch neben meinem 10-Euro-Hefeweizen so aus - eine nicht wirklich gebratene Bratwurst mit Brat-Kartoffel-Püree und Heinz-Senf. Aber solangs schmeckt!



Und außerdem wurden wir beim rausgehn noch von diesem Dirndl entschädigt - sie hat uns zwar nicht bedient - und hatte dazu auch einfach keine Münchner Unterarme - aber Papierfähnchen geschenkt.


Vom Baseballturnier weiß ich, wie viele, um nicht zu sagen alle, von der Cheerleading-Show, die man mit gutem Gewissen aus legendär bezeichnen kann - in meiner Nähe seit einiger Zeit immer freitags. Da ich schlecht vorbereitet war und keine Kamera dabeihatte, kann ich nur das präsentieren,

in der Hoffnung, daß es mich genug motiviert, zum tatsächlichen Sechs-Uni-Turnier zu gehen! Was war passiert? Wir sehen eine Horde junger Studenten, und ja, hier sind die meisten Cheerleader männlich, in Uniformen, wie sie schreien, trommeln, herumrennen und wild gestikulieren, dazu sechs Flaggen für die sechs teilnehmenden Universitäten (die Todai hat die längste, und der linke Träger ist kurz davor, zusammenzubrechen), dazu die passenden sechs Cheerleaderinnen (ich hätte wirklich nie gedacht, daß ich diese Form jemals benutzen würde...), die hübscheste im Keio-Dress, wobei das wohl Geschmackssache ist, die lächelnd aber mit maximal der halben Menge an Elan Beine und bepuschelte Arme durch die Lüfte wirbeln. Da das mit der Tanzkarriere aus offensichtlichen Gründen zum Scheitern verdammt ist, werde ich im Paralleluniversum nach meiner Ankunft in Tokyo wohl Cheerleader, auch wenn einige Koreaner von der Show nicht sehr angetan waren und sich zu stark an ihren bösen Nachbarn erinnert fühlten... Oder ich bleibe doch bei Karate und schau mir demnächst mein erstes Baseballspiel an...

Mittwoch, 6. Mai 2009

ゴールデンウィーク

Drei Feiertage hintereinander - Grund genug, diese Zeit zur Goldenen Woche zu erklären! Klingt toll, und ist es auch, bis auf den Wermutstropfen, daß die Uni Tokyo selbstverständlich keine Brückentage kennt und auch am Freitag eines dieser atemberaubenden Lab-Meetings stattfindet, toll!

Zur Einstimmung war letzten Mittwoch schon der Shōwa-Tag (die Epoche vor der jetzigen Heisei-Ära; ich zum Beispiel bin im Jahre Shōwa 59 geboren), an dem auch die Stadtmeisterschaft im Karate stattgefunden hat (anschließend stilecht zweimal trinken und Karaoke bis in die Puppen, da die letzte Bahn eh schon verpaßt war). Diese Woche ging's dann von Montag bis Mittwoch weiter (Tag der Verfassung, Tag des Grüns, Tag der Kinder), und um keine Langeweile aufkommen zu lassen bin ich dem Lockruf der Keio-Universität erlegen und war am Montag bowlen und gestern bei der Odaiba-Stadtrallye mit 飲み会[nomikai] - "Trinken und Treffen".
Seitdem bin ich auch ein bißchen neidisch auf die Studenten dort - während die es auf mich sind. Der Grund: Der Preis des Rufes der Nummer eins ist mit den Abstrichen im Sozialleben meiner Meinung nach etwas zu hoch. Aber dafür sind ja diese Tage da :-D

Noch eine kleine Notiz am Rande: Viele Japaner nutzen die "Golden Week", um ihre Familien auf dem Land zu besuchen, oder einen Urlaub zu machen - trotz der wesentlich höheren Preise für Flug, Übernachtung, ... Ich war nur zu beschäftigt, das auch zu überprüfen, fand es aber nicht sehr viel leerer als sonst... Trotz des Regens...

Die Stadtmeisterschaft - daß die Sempai aus meinem Dojo gut sind, habe ich aber auch davor schon gewußt!

nachdem wir im Irish Pub alle Paulaner-Vorräte vertilgt hatten

Mal ehrlich - was hattet ihr erwartet? Natürlich hat mein Team gewonnen! Süßigkeiten und Badezusätze...

Krabbe? Oder doch lieber Rind?
In der Eisabteilung habe ich mich lieber dezent zurückgehalten...

"Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen." (Thomas)
Da hat er wohl recht und es gab Kartoffelsalat für's ins Wasser gefallene Picknick.

Donnerstag, 19. Februar 2009

日常の大学:テキスト

Bevor es an den japanischen Semesteralltag eines Austauschstudenten geht, kommt eine Festellung: Scheinbar habe ich es gut erwischt. Daß es anderen besser ergeht, liegt wohl an meinen anfänglichen Fehlern, die der Gewohnheit entspringen. Jedenfalls erliege ich keinem Gruppenzwang, abends bis 10 Uhr zu bleiben, oder ähnlichen Spirenzchen, wie Professoren-Zwang. Auf der Gegenseite habe ich auch noch von niemandem gehört, daß es erwartet wird, schon am frühen Vormittag an die Uni zu kommen, aber das ist einfach der japanische Lebensfluß - wer's abends gerne reinfließen läßt gönnt sich eben morgens etwas Ruhe - warum die Zeitzone diesem noch nicht angepaßt wurde ist mir schleierhaft. Gefühlt geht die Sonne hier früher auf und unter als in Deutschland. Objektiv natürlich auch, da Japan im Osten liegt. Land der aufgehenden Sonne, nur leider verschlafen es alle, außer denen, die um fünf vom Club den Heimweg antreten, oder Kangeiko-Teilnehmer am ersten Tag, wenn sie die Augen noch aufkriegen. Entsprechend ist auch ein "Guten morgen!" um 14 Uhr keine Besonderheit, allerdings gab es schon professorische Rüffel für diese Art der Begrüßung um vier Uhr mittags. Zentrum der Gemeinschaft ist das "Lab" (研究室); hier kann man im Internet surfen, essen, ratschen, Präsentationen vorbereiten, schlafen, die Tafel vollmalen, Hausaufgaben machen, spielen oder am Projekt weiterarbeiten. Letzteres ist die Hauptbeschäftigung eines japanischen Lebenswandels *hüstel*. Nun aber zum Semesteralltag, der übrigens bis letzte Woche anhielt.

Da sind die Sprachkurse. Japaner müssen, wenn sie in die Uni eingetreten sind, anfangs zwei Fremdsprachen lernen, englisch ist Pflicht, und als Beilage meist noch chinesisch oder deutsch. Deshalb können einen auch viele auf deutsch grüßen, davon etwa die eine Hälfte freiwillig und die andere nach ein klein wenig Zwang. Deutschland ist generell recht beliebt, man kann immer noch einige, auch wenn der Trend wohl schon wieder vorbei ist, Japaner in deutschen Bundeswehrparkas auf den Straßen sehen, und essensmäßig passen Würstchen und die "German Potatoe", eine Art riesige Backofenkartoffel mit Salz und Butter, ins Klischee. Ich habe japanisch gewählt, freiwillig. Leider habe ich eine Hälfte des vom Niveau am besten passenden Kurses nicht erleben dürfen, was daran liegt:

Labmeeting. Die wichtigste Sache überhaupt. Hier werden Partytermine ausgehandelt und Vorträge gehalten, wöchentlich die neuesten Erkenntnisse geteilt. Außerdem ist es der einzige fixe Termin, an dem alle Labmitglieder zusammenkommen. Ehrlich: es waren noch nie alle. Beschäftigungen für die Zeit, in der man nicht selbst vorne steht, und die mir erst etwas suspekt waren, man sich aber sehr schnell einleben kann, sind: lesen, am Computer arbeiten, dösen, stille Post, schlafen. Das mit dem Computer ist mir dann aber doch zu klischeehaft. Warum trotzdem da sein? "Don't be silly. You have to." Gerüchte, ich hätte eines morgens geschnarcht, wurden rasch widerlegt. Es war einer der Mehrheitsethnie.

Dann sind da noch die Vorlesungen und das Projekt, das hier jeder macht (natürlich, denn über irgendetwas muß schließlich die Abschlußarbeit, welche auch immer, geschrieben werden, und Doktoren müssen ja auch etwas tun für ihr Geld), und dem eine gewisse, ich würde es nicht Rechtfertigung, auch nicht Grund, nennen, mehr eine Art Motivation oder Plausibilisierung durch meinen Status als "Research Student" widerfährt.

Zunichtguterletzt wäre noch anzumerken, daß es keinerlei Studentenpartys auf dem Campus gibt, bei dem, was sie Party nennen, jedoch immer Unmengen an leckerem und kostenlosem Essen, mit sehr sehr viel Glück begleitet von Bier, und Japan ist nicht der schlechteste Ort dafür, besonders wenn nach kurzer Zeit der zahlreiche Anblick von Krawattenträgern die wohltradierte Stillosigkeit einer Büchse ausgewaschen hat, eine Erkenntnis, die man auch ganz pragmatisch beim Studium eines jeden Kombini-Tiefkühlregals erhalten hätte.

Fazit: mehr Zeit an der Uni, enger Kontakt zu Professoren, Postdocs, Doktoranden, Master- und Bachelorstudenten im Lab, mehr selbständiges Arbeiten & Präsentieren, weniger wirklich kniffelige Übungsblätter.

Jetzt ist Zeit für Urlaub. Korea und Shikoku, ich komme..!
Wenn ich also die nächsten Wochen nur sehr spärlich mit Informationen um mich werfe: es geht mir nicht trotzdem, sondern deswegen, blendend.

日常の大学:写真

das berühmte Yaseda-Auditorium, vor dem viele Fotos gestellt werden, und im Hintergrund das Gebäude der Fakultät für Wissenschaft

die Ramen-Maschine in der Hauptmensa

ebenfalls dort und überall sonst auch - das einzige rein englischsprachige Poster - seit ein spanischer Todai-Student verhaftet wurde

die andere Seite Japans: historisch oder einfach kein Geld mehr übrig nach den Prachtbauten?

Entrümpelung, wie von Alex beschrieben, und ohne Beute für mich, dafür aber offensichtlich für einige andere

Montag, 2. Februar 2009

わっしょい!

Es ist geschafft!

Vollbracht.
In guter Gesellschaft. Und doch ist man dann, wenns am schlimmsten ist, doch auf sich allein gestellt. Frei nach Steves Worten (Engländer, war auch immer fleißig dabei), daß es für Studenten noch ein Quäntchen härter ist als für den Rest der Mannschaft.
Kangeiko - das steht für die zertifizierte harte Sau. Jedenfalls paßt es so am besten ins Ego.

Leider wurde alles Wesentliche schon gesagt.
Daher gibt es von mir nur ein paar Bilchen, nachdem ihr hier den ersten Teil aus Jörgs Feder gelesen habt: klick!

Gleich gehts los, eine Runde um den Tokyo Dome zu drehen! Davor gibts noch ein kleines Angrüßen im Dojo und ein kurzes Dehnprogramm. わっしょい! Im Anschluß dann doch noch ein bißchen Karate - entweder Kata, das passende Kihon oder zur Abwechslung auch mal 1000 und ein paar zerquetschte Tsuki.

Während die Glücklicheren nach dem Frühstück noch zu den normalen Einheiten bleiben, ziehe ich mich zurück ins Faultiergehege, pardon ins Lab zu meinen Komilitonen, die in letzter Zeit einen etwas überarbeiteten Eindruck machen. Ich schlaf übrigens auf dem türkisenen Stuhl vorne rechts.

Hier sehen wir die sonntägliche Diplom-Übergabe nach dem Joggen. Zum Glück hat es an diesem Tag nicht mehr geregnet und wir konnten wirklich raus, zum Schrein, eine Runde beten und Gruppenbildchen knipsen. Ich bin leider unscharf, deshalb müßt ihr mit Mukki Vorlieb nehmen. Einer war tatsächlich schon zum 49sten Mal dabei - unglaublich. Es folgt lekker Essen, Bier und Nihonshu, mit allen Sensei. Die Mühen waren nicht umsonst.

Das letzte Bild vor der Abreise aus dem Honbu-Dojo, jeder bewahrt noch Haltung. Nach Chinese und Karaoke, währenddessen die geschundenen Leiber natürlich mit Sprit versorgt sein wollen, erloschen dann langsam die Lichter Tokyos und es folgte eine lange Stille.

...und das gute Gefühl, die Papprolle nicht verloren zu haben, die mich nun morgens von der Seite meines Schreibtisches aus anlächelt und mir sagt, daß es geht, wenn man nur will...

Samstag, 10. Januar 2009

今年、土曜も東大に!

Neues Jahr, neue Vorsätze, die die Zeit noch nicht vergessen machen konnte.
So oder so ähnlich.

Nachdem ich schließlich auf eigene Faust das Uni-Karatedojo ausfindig machen konnte, wobei eine erfolglose Lab-Japaner-Fragerunde und der Gedanke Nur dreimal Naka-Sensei, grml. vorausgegangen waren, bin ich also gestern hin. Etwas spät, was mir ein persönliches Vor-Aufwärmen von der Haltestelle zum Dojo beschert hat, das natürlich nicht schaden kann, auch wenn ich die üblichen deutschen Gewaltexzesse zu Beginn mittlerweile immer seltener vermisse.

das ist es, idyllisch in einem Tempel gelegen

Und es war dann auch durchaus anders als gewohnt.

Der Rahmen: Samstag, 13 bis 16 Uhr. Drei Stunden, zum Glück ab und an unterbrochen von kleinen Pausen, in denen man Trinkflaschen abgreifen kann. Dennoch hatte ich spätestens nach Stunde zwei nicht nur mit hochmotivierten Japanern, sondern auch gegen das eigene Verhungern zu kämpfen.
Der Stil ist Wado-Ryu, was ich wohl spätestens nächste Woche bei den Kata zu spüren bekommen werde, mein erstes Training jedenfalls war geprägt von ca. 600 Tsuki und 250 Keri, sodaß man beim Dehnen den eigenen Dampf vom Gesicht aufsteigen sieht (was, denke ich, unter anderen Umständen sehr schön zu beobachten sein kann), und nach einem kurzen Seitenblick auf die Uhr denkt Oh mein Gott, noch 2 1/2 Stunden!, die dann von Kumite-Übungen geprägt waren.
Der erste Eindruck einer eher lockeren Atmosphäre, mit einem älteren Senpai, der durch die Reihen geht und Tipps gibt, dazu noch manch einer in Zivil, und überhaupt einigen Studenten, die Trainingsjacken oder gar keinen Teil des Gi tragen, täuscht gewaltig, dazu reicht ein kurzer Blick zum Nebenmann.
Nachdem dann alles vorbei und bevor die Matten (nach einem komplizierten System, jedenfalls wurde ich bei meinen Hilfsversuchen mehrmals korrigiert) wieder aufgeräumt waren, bildeten noch alle Studenten einen Dreiviertelskreis, der sich, sobald ich versucht habe, mich anzuschließen, so gedreht hat, daß ich doch wieder in der Lücke war. Also mußte ich mich noch kurz der ganzen Meute vorstellen. Es gibt jetzt einen Deutschen und zwei Physiker.

Wie dem auch sei, ich bin überzeugt genug für einen zweiten Versuch, die Leute sind unglaublich nett, im Gegensatz zu vielen meiner Lab-Nachbarn, bei denen ich nur selten verstehe was sie sagen, konnte ich mich hier fast problemlos unterhalten, auch wenn es nur der Smalltalk des ersten Treffens war. Wer will, kann mich auch auf der (inoffiziellen) Seite des Karatebu-Blogs bewundern (zusammen mit Nishida-Kun, der das Blog schreibt)!

Freitag, 26. Dezember 2008

出張

Nachdem ich nach vier Stunden im Onsen-Paradies einen meiner Professoren und zwei Lab-Kommilitonen getroffen habe, gings im Auto zum Hotel, mit dem Rest schön abendessen, und am nächsten Morgen zum offiziellen Teil: Japan Steel Works, die vor allem gigantische Druckbehälter für Kernreaktoren herstellen, aber auch eine kleine Katana-Schmiede betreiben. So gab es also einen Tag lang einen ständigen Wechsel von Vorträgen und Fabrikrundgängen, wobei mich die japanische Liebe zum kleinen Nickerchen, gerne auch während der Professor redet, ebenfalls kurz angesteckt hat, und man uns zwar nicht verhungern, aber fast verdursten ließ, bis es dann zum Buffet ging. Hier gibt es die Unsitte, daß jeder kurz ans Mikro muß, bevor alle an der Grenze des Magen- und Alkoholaufnahmevolumens darben und der erste schon nicht mehr mit in die Snack-Bar kann. Dort gibt es Gemüse und Nüsse zum knabbern, und die Mama-San, die mit am Tisch sitzt, füllt pflichtbewußt das Whiskey-Glas immer wieder auf. Danach waren wir noch zu fünft auf der vergeblichen Suche nach dem Nachtleben und endeten schließlich in einer Yakitori-Kneipe, bevor es am nächsten Morgen wieder zum Flughafen ging.

Glückwunsch, wer durchgehalten hat, ich kann Hokkaido nur weiterempfehlen, aber bitte wenns wärmer ist oder zu Ferienzeiten, vorweihnachtlich ist wirklich sehr wenig los und die Einheimischen müssen auch arbeiten, oder behaupten das zumindest. Das Naturbedüfnis ist für die nächste Zeit jedenfalls gestillt, und nach Roppongi-Weihnacht :-) können das Wochenende und Neujahr kommen!!

Samstag, 13. Dezember 2008

忘年会

[Vergessen - Jahr - Treffen]

Eine der wunderbaren japanischen Erfindungen ist zweifelsohne Bohnenkai, eine Art Weihnachtsfeier ohne Weihnachten, die wörtlich übersetzt dazu gedacht ist, so viel zu trinken, daß man danach das letzte Jahr komplett zu den Akten legen kann. So zumindes meine Lesart. Wenn das nach drei Stunden dann beendet, und der Professor mit einigen anderen außer Sichtweite ist, geht es weiter, nochmal das gleiche: lecker Essen (wenn auch andersherum als hier) und schön Trinken. Übrigens mit dem Sensei, der mir ein paar Eröffnungssätze für neue Bekanntschaften beigebracht hat, die ich hier lieber mal nicht schreibe, da man angeblich (zumindest allen anderen Studenten nach) damit ernsthafte Probleme mit der Polizei bekommen kann (ich glaube 危ない (abunai - gefährlich) war gestern eines der meinstgehörten Worte für meine Ohren). Ich kann bisher nur sagen, daß es nicht ganz so schlimm ist, man wird nur ab und an geschlagen (^_^)

Hier finden sich drei Artikel, nur dazu gedacht, mich neidisch zu machen, daß ich nicht mit Yvonne nach Hong Kong geflogen bin... Und es hat funktioniert :-(
Dafür geht's für mich morgen nach Hokkaido! Dann kann ich endlich auch mal ein paar Urlaubsfotos posten...

...bis dahin: schöne Vorweihnachten in die westliche Welt!

Sonntag, 26. Oktober 2008

東大について

So, da bin ich wieder, zurück von einem Treffen mit alten Bekannten aus Karlsruher Zeit.

Da ich aber die Fotos von heute und vor allem vom Freitag noch nicht habe, gibts ein paar Infos zu meinem Uni-Leben:
Üblicherweise bin ich ab halb zehn dort,
<-- hier, in "meinem" Gebäude, um den Vormittag mit Japanischunterricht zu verbringen, wobei das mittlerweile auch nur noch an drei Tagen stattfindet, da an einem parallel eine Vorlesung ist und es mir donnerstags verboten wurde, damit ich am Lab-Meeting, das vor allem daraus besteht, daß alle in einem Raum sitzen und immer ein anderer über seine Arbeit erzählt (auf japanisch versteht sich, deshalb war ich bisher auch ganz froh über den zeitgleichen Unterricht) teilnehmen kann. Dann hab ich noch drei Vorlesungen: Quantum Beam Engineering (Teilchenstrahlen), Optical and Quantum Electronics I (v.a. verschiedene Laser), und Molecular Dynamics & Nanotechnology (Simulation von Vielteilchensystemen), die alle noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen haben aber hoffentlich bald interessant werden. Vor dem obligatorischen Projekt konnte ich mich bisher erfolgreich drücken, weiß aber nicht wie lange ich es noch rausschieben kann; es läuft wohl darauf heraus, daß ich einen kleinen Bruchteil dazu beitrage, die Lebendauer von Kernkraftwerken besser vorhersagen zu können, damit man sie länger laufen lassen kann. Ich bin ja einsichtig, sinnvoller auf diesem Gebiet wäre es sicher, zuerst einen Beitrag zur Bildung gewisser Bundestagsabgeordneter zu leisten, dazu fehlt mir aber leider das Talent....

Das Symbol der Tokyo Universität ist der Ginkgo, diese Bäume stehen hier überall. Man kann die Früchte auch essen, sie sind klein, rund und ziemlich bitter, und natürlich, wie alles was man eher nicht aus Genuß essen würde, "sehr gesund".
Wenn wir gerade beim Thema sind: Der Hongo-Campus (auf dem ich meinen kompletten Unitag verbringe) hat laut meinem Plan alleine 19 meist kleine doch feine Essens-Plätze, die ich aber noch nicht alle durchprobieren konnte... Das hier ist übrigens der "harte Kern" derer, mit denen ich immer nach dem Unterricht essen gehe:

von links nach rechts: Österreich, China, Deutschland, Schweden

... bis zum nächsten Mal ...
 
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