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Montag, 17. August 2009

夏!

Ich habe mir wohl etwas Zeit gelassen, ein Update!

Das Semester ist vorbei, das Leben geht weiter! Oder fängt an, wie man's sehen will. Hier mein vorerst letzter voller Tag an der Uni beim Abschluß des Japanisch-Unterrichts; ich finde ja, daß Weiße in japanischen Klamotten etwas lächerlich aussehn, aber wenn's alle machen..! Und ich dazu von meiner Lieblingslehrerin diesen schönen Fächer bekommen habe...

Dann gibt's da natürlich noch das typische japanische Sommerprogramm (hilft auch nicht gegen die Hitze, macht aber zumindest Spaß!):

Zum einen sehr viele Matsuri, hier tanzen die Leute das nach, was auf dem Podest vorgemacht wird, ich hab mich natürlich auch dran versucht, es ist aber gänzlich unmöglich. Immerhin gab's Bier, wie immer :-D

Schwer zu erkennen: die Musikanten.

Teil zwei des Programms sind Feuerwerke, ich bin mit diesem hier am Strand von Odaiba eingestiegen (im Panorama der Rainbow Bridge), wie geschätzte fünf Milliarden andere auch, die dann in ihren Yukata mit Snacks bewaffnet auf ihren fünf bis zehn Stunden vorher reservierten Plastikplanen sitzen und durchweg staunen oder klatschen. Nein, davor stauen sie sich noch durch den halben Bahnhof vor der Überfahrt über die Brücke, nur hatte ich genug Glück, die Station durch eine andere Türe zu betreten, und dann in Anbetracht der Situation genug Chuzpe, mit der allzeit bewährten Ohrhörer-rein-und-durch-Taktik die völlig unbenutzte Rolltreppe aufs Gleis zu nehmen.


Dritter Teil des Sommerprogramms sind diese niedlichen Tiere, die üblicherweise leider nicht auf der Straße, sondern in den Bäumen um mein Wohnheim herum leben, und von ebendenselben herab täglich von Sonnenaufgang (gegen halb fünf) bis zum Abend brüllen - allerdings überkommt mich trotz allem Haß auf solch plumpe Balzversuche im entscheidenden Moment dann doch wieder jedes mal Mitleid, wenn sie vereinzelt hilflos und behäbig über den Asphalt siechen...

Um der Stadt zu entkommen ein kleiner Ausflug in die nahegelegenen Berge; hier bei den Vorbereitungen zu Nagashi-Somen - Nudeln, die erst gekocht, dann dieses von Quellwasser durchflossene Bambusrohr hinunter geschickt werden, und die man währenddessen versucht, mit den Eßstäbchen zu angeln. Für Hilflose gibt's aber auch noch die Möglichkeit, die geflohenen einfach aus dem Sieb raus zu essen.

So idyllisch ging's sonst noch zu, und wer genau hinschaut, sieht in der Mitte Handtuch, T-Shirt und Badehose hängen, die gerade trocknen, nachdem ich, wie könnte es anders sein, ins kühle Naß gefallen war.
Es gab dann auch noch ein paar relativ starke Erdbeben, besorgte eMails und die beiden Erkenntnisse, daß diese, solange nichts passiert, wirklich Spaß machen und ich mich nicht mehr wunder, warum ich in Deutschland nie eines mitbekommen habe, da ich offensichtlich tiefer Schlafe als ein 6,5-Beben rüttelt. Manchmal zumindest.

Zu guter Letzt ein Mittwoch abend nach dem Training mit Inokoshi-Sensei und zwei verlorenen und wieder zurückgekehrten Söhnen.

Dienstag, 21. Juli 2009

七大戦・能

Der Absurdität eines Besuchs im Nō-Theater wurde ich mir erst so richtig bewußt, als ich mich mit ebendemselben als Ausrede schon viel zu früh vom Karateturnier der Sieben-Uni-Spiele verabschiedet habe, da scheinbar sogar ein Gang zum Gehirndoktor (heißt auch nō, schreibt man aber 脳 statt 能) naheliegender war. Gewonnen hat die Karten ein Freund, das Turnier sowohl Jungs- als auch Mädelsteam der Tōdai. Die Standardausrede à la Ja aber die andern müssen halt einfach nicht so viel lernen wie wir fiel also aus. Das Theater läßt sich wohl am besten mit ... interessant beschreiben, inklusive aller Konnotationen. Es ist dabei so traditionell, daß es quasi schon wieder moderner als modernes Theater ist, ebenfalls in all seinen Nuancen. Die Handlung ließ sich scheinbar in acht völlig unverständlichen englischen Sätzen zusammenfassen, nichtsdestotrotz war es schließlich ein zweienhalbstündiges, Martyrium wäre etwas hart gefaßt, nennen wir es einmal Ereignis, in dem sich völlig mimikfreie Männer schlorpenderweise über das Parkett bewegen, teils in etwa einen halben Meter zu langen Hosensäcken, oder aber in schicken weißen Zweizehensocken, dabei einen gemächlichen, eher monotonen Singsang von sich gebend. Ein Teil der Akteure war auch nur dazu da, den Hauptdarstellern nach dem Erheben aus Seiza das Beinkleid wieder ordentlich hinzuzupfen. Ein interessant lohnenswertes, wenn auch einmaliges, im Sinne von ein mal, Erlebnis, wenn ich mich das nächste Mal in die Niederungen japanischer Tradition begebe, wird es garantiert Sumō, noch vor Kabuki, und es bleibt festzustellen, daß sich Japan seit seinen alten Tagen ganz gut entwickelt hat. In diesem Sinne.


Sieger beim Mitfiebern

die Bühne des Nō-Theaters

ebenfalls im Theater

Mittwoch, 24. Juni 2009

第52回空手道選手権大会

Am Wochenende war es so weit, und nachdem ich heute Inokoshi-Sensei zu seinem Sieg gratulieren konnte, ist es Zeit für einen kleinen Rückblick auf die diesjährige Alljapanische Meisterschaft. Die Ergebnisse auf einen Blick gibts schon bei Mukki, und ebenderselbe hat auch schon ein paar Fetzen der Kämpfe auf Youtube geladen.

Was also gibts noch zu erzählen..?
Nicht daß es verwunderlich wäre, aber das Niveau war natürlich einzigartig, die Kata teils wunderschön oder brachial, und daß zumindest die Jungs ganz ohne Schützer aufeinander losgelassen wurden war dem Unterhaltungswert auch nicht abträglich. Dazu unser aller Helden der Gegenwart in Hochform.

Dies war übrigens mein Team beim Ruderturnier der Keio-Universität:

Dienstag, 19. Mai 2009

ハイキックガール

Hier die Ereignisse, die zum gestrigen Tag geführt haben.

Schritt 1: Kuro-Obi anschauen.

Schritt 2: auf mehrmalige Empfehlung immer wieder hier und hier einen Blick drauf werfen.

Schritt 3: eines der überdimensionalen Werbeheftchen ergattern und sich nach fünfminütigen Leseversuchen an die Bilder machen.

Schritt 4: für jeden Moment die richtigen Freunde haben.

Schritt 5: in deren Anwesenheit den Kinohit des Jahres erwähnen, und kurze Zeit später einen Link geschickt bekommen, sich dort eintragen und Karten für die Premiere gewinnen.

Schritt 6: die Uni-Friseuse in maximal 20 Minuten von einer japanerischeren Frisur überzeugen, doch dazu später mehr.

Schritt 7: vor lauter Aufregung den Lab-Mittagschlaf ausfallen lassen.

Schritt 8: viel zu früh losgehn, sich über verschiedene Dinge wundern, leider feststellen, daß zumindest die Publikumszusammensetzung doch eher wie erwartet ist, staunen, und vor dem Heimweg noch

Schritt 9:
Schritt 10: nochmal von vorn.

ps: Bilder des "Vorprogramms" (ich hätte mich ja auch schon so auf den Film gefreut...) gibt's auf dem offiziellen High-Kick-Girl-Blog.

Mittwoch, 6. Mai 2009

ゴールデンウィーク

Drei Feiertage hintereinander - Grund genug, diese Zeit zur Goldenen Woche zu erklären! Klingt toll, und ist es auch, bis auf den Wermutstropfen, daß die Uni Tokyo selbstverständlich keine Brückentage kennt und auch am Freitag eines dieser atemberaubenden Lab-Meetings stattfindet, toll!

Zur Einstimmung war letzten Mittwoch schon der Shōwa-Tag (die Epoche vor der jetzigen Heisei-Ära; ich zum Beispiel bin im Jahre Shōwa 59 geboren), an dem auch die Stadtmeisterschaft im Karate stattgefunden hat (anschließend stilecht zweimal trinken und Karaoke bis in die Puppen, da die letzte Bahn eh schon verpaßt war). Diese Woche ging's dann von Montag bis Mittwoch weiter (Tag der Verfassung, Tag des Grüns, Tag der Kinder), und um keine Langeweile aufkommen zu lassen bin ich dem Lockruf der Keio-Universität erlegen und war am Montag bowlen und gestern bei der Odaiba-Stadtrallye mit 飲み会[nomikai] - "Trinken und Treffen".
Seitdem bin ich auch ein bißchen neidisch auf die Studenten dort - während die es auf mich sind. Der Grund: Der Preis des Rufes der Nummer eins ist mit den Abstrichen im Sozialleben meiner Meinung nach etwas zu hoch. Aber dafür sind ja diese Tage da :-D

Noch eine kleine Notiz am Rande: Viele Japaner nutzen die "Golden Week", um ihre Familien auf dem Land zu besuchen, oder einen Urlaub zu machen - trotz der wesentlich höheren Preise für Flug, Übernachtung, ... Ich war nur zu beschäftigt, das auch zu überprüfen, fand es aber nicht sehr viel leerer als sonst... Trotz des Regens...

Die Stadtmeisterschaft - daß die Sempai aus meinem Dojo gut sind, habe ich aber auch davor schon gewußt!

nachdem wir im Irish Pub alle Paulaner-Vorräte vertilgt hatten

Mal ehrlich - was hattet ihr erwartet? Natürlich hat mein Team gewonnen! Süßigkeiten und Badezusätze...

Krabbe? Oder doch lieber Rind?
In der Eisabteilung habe ich mich lieber dezent zurückgehalten...

"Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen." (Thomas)
Da hat er wohl recht und es gab Kartoffelsalat für's ins Wasser gefallene Picknick.

Dienstag, 14. April 2009

お花見

Die Kirschbäume blühen, und in dieser Zeit, manche Japaner nennen es die schönste Zeit des Jahres, ist ein klassischer japanischer Brauch, meiner Meinung nach definitiv einer der schönsten, Thema Nummer eins: お花見 [o-hanami], wörtlich: Blütengucken.
Ganz ehrlich, man sieht schon eine ganze Menge an Leuten mit ihren Handys direkt an den Bäumen stehen und Bilder machen, unabhängig davon, wie viele Fotos sie bisher überhaupt und von genau diesem im Speziellen schon gemacht haben. Im Kern geht es jedoch um etwas ganz anderes, und wer in letzter Zeit in einen Park zu den Blüten gegangen ist, hat es gesehen oder, besser, war selbst dabei: Wohin das Auge reicht ausgelegte Plastikmatten, auf denen sich zahllose Menschen tummeln, die freudig essen und vor allem auch trinken.
Natürlich durfte ich mir das nicht entgehen lassen, und so war ich zweimal mit von der Partie; zuerst auf Einladung eines Freundes aus der Japanischklasse.

unser Abschlußbild, nach einem gelungenen Nachmittag mit lustigen Spielchen anstatt zu viel Bier

auf dem Heimweg gab's dann noch eine kleine Tanzeinlage

Mein zweites Hanami war dann etwas unerwarteter, und zwar eines Samstags nach dem Training an der Uni. Leider hatte ich keine Kamera dabei und deshalb existiert mehr oder weniger nur dieses eine Bild. Mit der Sorte Mensch "Karateka" läuft die Sache dann etwas abgeändert ab, und zwar ist ein kleiner Haufen losgezogen und hat eingekauft: zu essen nur Chips, dafür Unmengen an Pseudo-Bier (ist billiger als richtiges und schmeckt schlechter). Nachdem ich mich mit einer Dose Bier "vorgestellt" hatte mußte nun jeder, der eine Freundin hat, eine Liebesbekundung abgeben, gemessen ist Alkohol, und der arme Kerl links mit der Sake-Flasche muß sehr viel für die seinige empfinden. Nach dieser Einstimmung war der restliche Verlauf dann nur noch die logische und zwangsläufige Fortsetzung, ein Heidenspaß kann ich nur sagen! Unglaublich auch, wie viele Trinklieder, -sprüche, -aufforderungen, -... es gibt, was dafür gesorgt hat, daß wirklich niemand zu kurz gekommen ist :-p
Kurz bevor wir uns dann aufgemacht haben, trinken zu gehen, wurde uns der Anlaß des Ganzen bewußt: Die ersten Blüten fielen schon von den Bäumen, auf unsere Plane...

Montag, 2. Februar 2009

わっしょい!

Es ist geschafft!

Vollbracht.
In guter Gesellschaft. Und doch ist man dann, wenns am schlimmsten ist, doch auf sich allein gestellt. Frei nach Steves Worten (Engländer, war auch immer fleißig dabei), daß es für Studenten noch ein Quäntchen härter ist als für den Rest der Mannschaft.
Kangeiko - das steht für die zertifizierte harte Sau. Jedenfalls paßt es so am besten ins Ego.

Leider wurde alles Wesentliche schon gesagt.
Daher gibt es von mir nur ein paar Bilchen, nachdem ihr hier den ersten Teil aus Jörgs Feder gelesen habt: klick!

Gleich gehts los, eine Runde um den Tokyo Dome zu drehen! Davor gibts noch ein kleines Angrüßen im Dojo und ein kurzes Dehnprogramm. わっしょい! Im Anschluß dann doch noch ein bißchen Karate - entweder Kata, das passende Kihon oder zur Abwechslung auch mal 1000 und ein paar zerquetschte Tsuki.

Während die Glücklicheren nach dem Frühstück noch zu den normalen Einheiten bleiben, ziehe ich mich zurück ins Faultiergehege, pardon ins Lab zu meinen Komilitonen, die in letzter Zeit einen etwas überarbeiteten Eindruck machen. Ich schlaf übrigens auf dem türkisenen Stuhl vorne rechts.

Hier sehen wir die sonntägliche Diplom-Übergabe nach dem Joggen. Zum Glück hat es an diesem Tag nicht mehr geregnet und wir konnten wirklich raus, zum Schrein, eine Runde beten und Gruppenbildchen knipsen. Ich bin leider unscharf, deshalb müßt ihr mit Mukki Vorlieb nehmen. Einer war tatsächlich schon zum 49sten Mal dabei - unglaublich. Es folgt lekker Essen, Bier und Nihonshu, mit allen Sensei. Die Mühen waren nicht umsonst.

Das letzte Bild vor der Abreise aus dem Honbu-Dojo, jeder bewahrt noch Haltung. Nach Chinese und Karaoke, währenddessen die geschundenen Leiber natürlich mit Sprit versorgt sein wollen, erloschen dann langsam die Lichter Tokyos und es folgte eine lange Stille.

...und das gute Gefühl, die Papprolle nicht verloren zu haben, die mich nun morgens von der Seite meines Schreibtisches aus anlächelt und mir sagt, daß es geht, wenn man nur will...

Montag, 26. Januar 2009

餅作り

Mochi.

Bis Samstag habe ich bei dem Gedanken daran immer gedacht Bitte, etwas mit Geschmack!
Doch dann kam der Samstag, mit einem schönen vormittäglichen Training und anschließendem lustigen Mochimachen im Kreise des Taishijyuku-Dojo. Frei nach dem Motto Heute schlagen wir uns mal nicht gegenseitig, sondern Reis. Mit großen Holzhämmern, und: es macht Spaß! Zugegeben, bedingt durch die andern Karateka, und natürlich reichlich Bier und Wein. Kleiner Tipp am Rande, wenn man die Reisklöschen in ein bißchen Natto einwickelt, schmecken die sogar richtig richtig gut.

Also schon mal Hämmer raus und Bohnen anfaulen lassen!

das Ambiente: schön an einem Tempel gelegen

der entschlossene Blick des Kriegers...

... und derer, die es werden wollen

wer Angst um seine Finger hat, haut dann doch lieber selbst zu

und dann war da noch meine Wegzehrung für danach

hier hol ich mir gerade meinen Fotoapparat zurück

Das ganze hatte natürlich seinen Preis, so muß ich wohl meinen Gürtel irgendwo zwischen Dojo und Tempel oder Zuhause verloren haben. Schade, es war bisher der treueste von allen. Und als ich mir vorhin einen neuen gekauft hab, habe ich, als die Gelegenheit günstig war, meinen Schal verlegt, mitverschuldet dadurch, daß das ganze verdammt knapp vor Ladenschluß war. Und als ich mir dann einen neuen Schal gekauft hab... keine Angst, jetzt hört die Geschichte endlich auf.
Spätestens am Wochenende kann dann jeder eins und eins zusammenzählen, daher erspare ich mir hier die Peinlichkeiten.

Samstag, 10. Januar 2009

今年、土曜も東大に!

Neues Jahr, neue Vorsätze, die die Zeit noch nicht vergessen machen konnte.
So oder so ähnlich.

Nachdem ich schließlich auf eigene Faust das Uni-Karatedojo ausfindig machen konnte, wobei eine erfolglose Lab-Japaner-Fragerunde und der Gedanke Nur dreimal Naka-Sensei, grml. vorausgegangen waren, bin ich also gestern hin. Etwas spät, was mir ein persönliches Vor-Aufwärmen von der Haltestelle zum Dojo beschert hat, das natürlich nicht schaden kann, auch wenn ich die üblichen deutschen Gewaltexzesse zu Beginn mittlerweile immer seltener vermisse.

das ist es, idyllisch in einem Tempel gelegen

Und es war dann auch durchaus anders als gewohnt.

Der Rahmen: Samstag, 13 bis 16 Uhr. Drei Stunden, zum Glück ab und an unterbrochen von kleinen Pausen, in denen man Trinkflaschen abgreifen kann. Dennoch hatte ich spätestens nach Stunde zwei nicht nur mit hochmotivierten Japanern, sondern auch gegen das eigene Verhungern zu kämpfen.
Der Stil ist Wado-Ryu, was ich wohl spätestens nächste Woche bei den Kata zu spüren bekommen werde, mein erstes Training jedenfalls war geprägt von ca. 600 Tsuki und 250 Keri, sodaß man beim Dehnen den eigenen Dampf vom Gesicht aufsteigen sieht (was, denke ich, unter anderen Umständen sehr schön zu beobachten sein kann), und nach einem kurzen Seitenblick auf die Uhr denkt Oh mein Gott, noch 2 1/2 Stunden!, die dann von Kumite-Übungen geprägt waren.
Der erste Eindruck einer eher lockeren Atmosphäre, mit einem älteren Senpai, der durch die Reihen geht und Tipps gibt, dazu noch manch einer in Zivil, und überhaupt einigen Studenten, die Trainingsjacken oder gar keinen Teil des Gi tragen, täuscht gewaltig, dazu reicht ein kurzer Blick zum Nebenmann.
Nachdem dann alles vorbei und bevor die Matten (nach einem komplizierten System, jedenfalls wurde ich bei meinen Hilfsversuchen mehrmals korrigiert) wieder aufgeräumt waren, bildeten noch alle Studenten einen Dreiviertelskreis, der sich, sobald ich versucht habe, mich anzuschließen, so gedreht hat, daß ich doch wieder in der Lücke war. Also mußte ich mich noch kurz der ganzen Meute vorstellen. Es gibt jetzt einen Deutschen und zwei Physiker.

Wie dem auch sei, ich bin überzeugt genug für einen zweiten Versuch, die Leute sind unglaublich nett, im Gegensatz zu vielen meiner Lab-Nachbarn, bei denen ich nur selten verstehe was sie sagen, konnte ich mich hier fast problemlos unterhalten, auch wenn es nur der Smalltalk des ersten Treffens war. Wer will, kann mich auch auf der (inoffiziellen) Seite des Karatebu-Blogs bewundern (zusammen mit Nishida-Kun, der das Blog schreibt)!

Sonntag, 16. November 2008

中先生出会い・世界空手道選手権大会

Hallo Welt, da bin ich wieder, jedoch ist nicht allzu viel neues passiert diese Woche...

Da unter lauter guten immer auch ein Paar schlechter Hände ist, in die derartige Details fallen könnten, will ich nicht allzu viele Worte über das Ergebnis meines Gesundheitstests verlieren, jedenfalls habe ich den Uniärzten einen kleinen Erkundungsbesuch abgestattet mit dem Resultat, daß ich in blendender Verfassung bin. Ich konnte also frohen Mutes meine Erkältung besiegen. Bis dorthin ähnelt das Leben mehr der Vegetation eines Blumentopfes, die einmal täglich warm gegossen wird.

Während also in der Heimat die SED das Mittel der Zensur zur Schikanierung des Wissens wieder für sich entdeckt hat und meine Finger intuitiv und regelmäßig zwischen Y und Z die falsche Wahl treffen, bin ich am Freitag nach dem Training dem Rest ins New Glory gefolgt, um u.a. das zu essen (manche würden wahrscheinlich nicht einmal dieses Wort dafür für angebracht halten), was für Ausländer gemeinhin die schlimmste Bewährungsprobe ist, jedenfalls ist mir keine Steigerung bekannt: Natto. Vielleicht zum Glück hatte ich noch etwas Schnupfen und konnte es nicht so intensiv riechen wie die andern. Allerdings muß ich auch gestehen, daß ich am Ende noch eine Extra-Portion geordert habe. Der Weg dorthin besteht im Wesentlichen darin, daß es sich mit jedem Bissen weniger ekelhaft anfühlt und auch schmeckt.
Auf dem Heimweg habe ich dann noch, nachdem mich dieser Rolladen am bequemen Weg gehindert hat, zwei Koreaner aus meinem Wohnheim getroffen und mich ihnen spontan zum koreanischen Barbecue angeschlossen, eine Sache die sich auf jeden Fall gelohnt hat!

Nun aber doch noch zum Titel...

Am Samstag war es endlich soweit und ich konnte bei Naka-Sensei trainieren, woraufhin wir gleich meine Aufnahme verhandelt haben - ich bin also in guten Händen ;-)
Da zur Zeit ebenfalls die Karate-Weltmeisterschaft in Tokyo stattfindet, sind wir heute ins Bodokan gefahren, um Shimizu-Sensei anzufeuern. Das schlechte vornweg, er ist leider direkt ausgeschieden, und hat dabei auf mich den Eindruck gemacht, als würde er sich in diesem seltsamen Regelwerk (wie beim DKV) und dem allgemeinen Kampfstil nicht sehr wohl fühlen. Immerhin konnte aber noch ein Japaner gewinnen, und Jonathan Horne (für die die ihn kennen, wo ich schonmal nicht dazu gehöre) wurde dritter. So war dann doch noch ein kleines Happy End gerettet, wenn auch ein seltsames, da zur Siegerehrung Tochter Zion gespielt wurde und die Punktetafeln ihre IP-Adressen preisgaben. Neben guten Kämpfen konnte ich auch eine Lektion fürs nächste Turnier lernen, nämlich neben den wenn nicht wichtigsten, aber zumindest in meiner Nachbarschaft häufigsten Schlachtrufe: Nippon, Oboekiri und Gamba, die man bevorzugt dann schreit, wenn gerade ein Japaner auf der Kampffläche nicht ganz so abgeht, wie es der Idealfall wäre, auch: sich mit einer angemesseneren Menge an Essen zu versorgen.

Damit verabschiede ich mich fürs erste,
bis zum nächsten Mal!!

Dienstag, 4. November 2008

大変な生活

Die Temperaturen sinken allmählich unter die 20°C-Marke, was Japaner dazu veranlaßt, nur noch mit Jacke vor die Tür zu gehen. Ich hab mich natürlich nicht lumpen lassen und das Wochenende dennoch und als einziger im T-Shirt verbracht (keine Sorge meine Damen, ich habe es zwischendurch schon mal gewechselt...), mit dem Effekt, daß ich jetzt auch nur noch mit Pulli und Schal vor die Tür gehe. Integration mal anders :-/

Das nervige daran ist, daß ich deshalb heute wieder nicht in Naka-Senseis Training konnte, sprich ich habe ihn bisher noch immer nicht gesehen; letzten Samstag waren immerhin neben Nakayama-Senseis umwerfendem Training noch Jean-Pierre Fischer samt wohlbekannten Anhängseln geboten, und so warte ich noch auf das lang- (wobei ich nach meinen bisherigen Erfahrungen hier zugeben muß, daß es schwer wird, die letzten Wochen zu toppen, aber ich laß mich gern vom Gegenteil überzeugen) ersehnte erste Training...

Also kam der Gedanke in mir auf, ein paar Vitamine könnten doch nicht schaden, und schon das war ein Fehler, denn er hat mich dazu verleitet, ja besser verlitten, diese Ausgeburt der Hölle zu essen: eine Kaki. Als die Schmerzen schlimmer wurden, hab ich dann auch leider viel zu spät bei Wikipedia Erkundungen angestellt. Daß man das überhaupt ohne Warnhinweise verkaufen darf... Heute im Lab hat sich jedenfalls rausgestellt, daß ein ukrainischer Magen locker zwei bis drei davon täglich wegstecken kann, meine zweistündige Erfahrung des Gegenteils läßt mich wohl die nächste Zeit Verzicht üben.

Sonstiges:

Sushi-Essen mit Alexander und Florian (für mache scheint Sushi die brennendste aller Fragen zu sein, hier also der Beweis)

Der H&M in Ginza, in dem ich vielleicht eingekauft hätte...

...wäre es nicht schöne Tradition, anzustehen, und das wie immer perfekt organisiert ;-)

Einkaufen macht übrigens nicht sooo viel Spaß, weil immer unglaublich viele Leute unterwegs sind. Womöglich weil ich mich fast immer sonntags dazu entschließe... Wobei dies das erste Mal war, daß ich tatsächlich eine Schlange vorm Kaufhaus gesehen hab, vor einem Restaurant oder vor allem Donuthaus ist das ganz normal.

Pepsi White konnte natürlich nicht ungekontert bleiben, und so gibt es seit ein paar Tagen das passende Konkurrenzprodukt: Fanta Grüner Apfel. Wenn ich gezwungen würde, eines davon nochmal zu trinken, würd ich auf jeden Fall die Pepsi nehmen, denn das hier schmeckt wirklich nur noch nach süß und Kaugummi.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

誕生日、ムッキ・ムッキ様、ペプシホワイト

So, da bin ich wieder. Ich war gestern in Naka-Senseis Dojo, er war zwar nicht da und wir mußten uns mit einem tollen Training von Shimizu-Sensei zufrieden geben, dafür habe ich aber Mukki getroffen (einige kennen ihn, sehr feiner Kerl), der sich auch den Aufdruck ムッキ・ムッキ様 auf seiner Suica-Karte redlich verdient hat. Somit war der Abend dann auch im Gyoza-Restaurant (chin. Maultaschen) gerettet!

Stichwort Suica, meine heißt Pasmo (ist quasi das gleiche) und sieht so aus:
Ich benutze sie zum U-Bahn fahren, dann muß man sie am Ein- und Ausgang nur an das Lesegerät halten und der Betrag wird automatisch abgebucht, aber mittlerweile kann man damit auch im Bus oder im Konbini (dazu später mehr, ist eine Art 24h-Supermarkt) bezahlen. Der Aufdruck zeigt mein 3-Monats-Ticket zur Uni, und das geübte Auge erkennt unten in der Mitte meinen Namen und mein Alter. Das war eine Aktion, ich bin zum Passamt am Bahnhof und mußte einen Antrag ausfüllen, soweit nichts besonderes, hätte ich nicht eine kleine Schwäche mit den Jahreszahlen. Also habe ich mich der Peinlichkeit gestellt und von meinem Gegenüber erfahren, daß wir momentan das Jahr Heisei 20 schreiben und ich anno Showa 59 geboren wurde. Ich merke mir das mal, es könnte vielleicht noch nützlich werden :-D

Zum Thema geboren werden, mein Geburtstag neulich war keine große Aktion; ich bin mit ein paar Freunden aus dem Wohnheim erst nach Ebisu, wo ich dann auch das passende Alle-Bedienungen-versammeln-sich-und-schreien-und-klatschen über mich ergehen lassen mußte, zur Belohnung gabs dann etwas Kuchen und Obst, bevor ein harter Kern, bestehend aus vier Männern, den beschwerlichen Weg nach Shibuya auf sich nahm. Glücklicherweise konnten wir unterwegs immer mal wieder am Konbini auftanken und so wurde es sehr vergnüglich, nicht nur weil uns direkt nach verlassen der Bar dieser Anblick geboten wurde -->
Der ganz links ist übrigens Alex, der das Foto zum Glück endlich rausgerückt hat..! (in der Mitte der schweizer Florian und der unbekannte Japaner)

Eine kleine Sache noch, heut wirds anscheinend etwas länger, aber da muß man auch mal durch im Leben, und zwar hat mich im Kühlregal eine Flasche so lieb angelächelt, daß ich gar nicht widerstehen konnte und sie mir gekauft hab: Pepsi White. Das gibts tatsächlich! Mir war von vornherein klar, daß das nur ein einmaliges Vergnügen würde, das wars auch, aber es war es absolut wert, auch wenn der Geschmack schon etwas komisch ist... Aber seht selbst:


So weit so gut, zu guter Letzt hab ich noch einen Linktipp für alle, die noch mehr lesen wollen: Alexanders Blog, er schreibt ziemlich ausführlich und hat z.B. auch was schönes zum Gesundheits-Check, den alle Neulinge hier machen müssen, inklusive Urin, Blut, Lungenröntgen, Herzrhythmus und Fragebogen... Da war ich gestern früh, und man erkennt daran, wie sehr viel mehr sich die Todai um ihre Studenten kümmert als es Karlsruhe tut ;-) Aber lest bitte selbst...

Montag, 20. Oktober 2008

まだ休んでるん / 本部1回目

Ruhig angehn aka Japanische Muskelpakete sehen aus wie dicke Kinder

Meine Taktik lautet, erstmal ein bißchen zu chillen, dann langsam ins Karate einzuleben, bis es schließlich kein Halten mehr gibt. So war ich dann auch am letzten Donnerstag erstmal in der Unisporthalle, bevor es am Freitag für zwei Stündchen ins Honbu ging. Was auch verdammt gut war! (Gyaku- und Kizami-zuki) Wo nebenbei noch jemand die Tür zur Umkleide kaputt gemacht hat, habs leider nicht gesehen, vielleicht zum Glück nicht miterlebt, aber sie wurde schnell geflickt ;-) Abends noch mit Alex, dem Österreicher, in Richtung Roppongi, um einen Freund zu treffen, Bar, Wohnung, Club, alles in allem sehr lohnenswert, nur daß mich einerseits das zu späte Aufhängen des vielleicht zu frisch gewaschenen Gi am Samstag und andererseits einige Schmerzen am Schenkel heute am Training gehindert haben, sodaß es nur locker in den Kraftraum ging, wo ich mir erst noch eine fast einstündige Einweisung gegönnt habe, die zur ersten Hälfte daraus bestand, daß einer der Aufpasser das (japanische) Regelblatt (auf japanisch) erklärt hat. Und - tataaa - ich kann jetzt ein Laufband bedienen! Unglaublich... Der zweite Spieltag mit dem Duell Roppongi gegen Extremausspannen ging deutlich an Roppongi. Ich würde jetzt gerne einen Vergleich zum Buli-Samstag ziehen, es bietet sich auch einer an, aber das deprimiert uns alle nur, ich habe leider die Konferenz gesehn...

So sieht übrigens die Sporthalle auf dem Campus aus
(wollte eigentlich auch noch ins Bad, aber da ist Badekappenpflicht und sie verkaufen keine - reine Schikane...)
...ein Blick nach innen...
...und dann war ich noch im japanischen Fernsehen
 
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